9. Tag: 40 km von Cacabelos bis O Cebreiro + 1.7 km


Um 10:30 sind wir aus Cacabelos losgefahren, ein Ort der uns nicht so überzeugt hat. Von dort ging 40 km bergauf, von 460 m auf 1.300 m zum Teil vorbei an Flüsschen und Weinbergen.

Der erste Ort in dem wir uns länger aufgehalten haben (Sonnencreme und Wasser kaufen) war Villafranca der Bierzo, mit einem historischen Kern umgeben von einer Stadtmauer

Und weiter ging die Strecke es bergauf, moderat und machbar auf einer ehemaligen, kaum befahren Nationalstraße.

Mittags dann die 3-Gang- Pilgermenüpause mit Wasser, alkoholfreiem Bier und einem Café con Leche in einem idyllischen Ort mit Blick auf die Berglandschaft

Um 15:30 ging es gestärkt weiter, es waren nur noch 15 km bis zu unserem angedachten Ziel O Cebreireo, einem rustikalen Steindorf auf 1.300 m. Dennoch kam ich kaum die Steigungen hoch, die ich zuvor mühelos gemeistert hatte. Hinzu kam dass es extrem heiß war, fast 30 Grad und kaum Wind. Jeder Schatten, jeden Brunnen musste ich nutzen zum pausieren und abkühlen. Bei einer dieser Pausen schob ein weiterer Radfahrer sein Rad stöhnend und keuchend an uns vorbei. Ok dachte ich, wenn der kleine Spanier hier mit deutlich weniger Gepäck es auch schwer hat, dann ist alles gut.

Besser wurde es dadurch aber nicht. Irgendwie hatte ich das Gefühl ein warmer Pfefferminz- oder Kamillentee würde mir jetzt gut tun. Norbert wollte meine Gepäcktaschen auch noch vorne an sein Rad nehmen um mich zu entlasten. Nein dann bist du ja komplett kaputt, das geht nicht. Doch das klappt, nein möchte ich nicht, doch, nein, ok. Noch 6 km, Norbert vollgeladen ich ohne Gepäck, und trotzdem anstrengend für mich. Landschaftlich wunderschön, grüne Berge, strahlend blauer Himmel, so kamen wir in die Provinz von Galizien.

Es ging nicht mehr, ich könnte nicht mehr, wollte nicht mehr, am liebsten wieder zurück und bergab rollen lassen bis Nachhause, nach Köln.

Das Bild ist nicht gestellt, ich hatte das Bedürfnis zu liegen, und hätte ein Königreich für einen warmen Kräutertee gegeben. Komm, noch 3 km dann sind wir da. Das Garmin sagt 3.4 km. Wir kamen in O Cebreiro an, wunderschön gelegen, ein putziges Dorf, mittlerweile war es 18:30 Uhr. Alles ausgebucht. Die Pilgerherberge, die Zimmer, nichts. Wir schlafen auf dem Boden mit unseren Schlafsäcken. Nein, das ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Fragt mal in der Kirche nach, um 19 Uhr findet eine Pilgermesse statt, wenn alles ausgebucht ist im Dorf, bieten sie den Pilgern eine Übernachtungsmöglichkeit an. Natürlich, die Kirche, die Rettung! Aber nur teilweise: hier habt ihr eine Rufnummer von einer Pilgerunterkunft, 1 km entfernt, die haben noch Plätze. Ok also auf nach Laguna. Mittlerweile war der kleine Spanier zu uns gestoßen, und zu Dritt machten wir uns auf dem Weg. Leider ging es steil bergab bis dorthin, und es waren nicht ein km sondern 1.7 km, und diese Strecke mussten wir am nächsten morgen wieder hoch. Hinzu kam: wir hatten Galizien wieder verlassen und waren wieder in der Provinz Castilla y Leon gelandet. Die ganze Mühe des Tages, von 460 auf 1.300 Höhenmeter, schien in wenigen Minuten dahin.

Aber wir hatten ein Bett in einem 9-Bettzimmer und ich bekam eine Infusión. Bestellt man in Spanien einen Tee, dann ist es ein schwarzer oder grüner. Kamille- Pfefferminz- Kräutertee nennt man Infusionen.

Das Dorf besteht aus einer Handvoll Häusern, das größte ist die Pilgerherberge mit Bar. Wenn man das Gebäude verlässt muss man aufpassen da die „Hauptstraße“  auch für den Almabtrieb genutzt wird

Nach einer Dusche und während Norbert etwas zu Abend aß, genoß ich eine weitere Infusión. Der kleine Spanier stammt aus Alicante und ist in Pamplona in den Pilgerweg eingestiegen. Ich teilte meinen beiden männlichen Mitstreitern mit, dass ich für den nächsten morgen ein Pilger-Rad-Gepäck-Shuttle für den 1,7 km Anstieg bestellten würde um wieder nach O Cebreiro zu gelangen. Betretenes Schweigen, dann fragte der kleine Spanier leise, nimmst Du mein Gepäck mit?

Das ist der Plan für den nächsten Morgen: Ich werde im Shuttle mit meinem Rad und das Gepäck von drei Radfahrern bis O Cebreiro gebracht. Der heilige Jakobus wird mir diese 1,7 km bestimmt verzeihen 😉

 

 

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