24./25. Tag Zugfahrten: 13.9.2019 Cervignano-Venedig-München und 14.9.2019 München-Köln

Der kleine Bahnhof in Cervignano hat keinen Aufzug. Das hatten wir am Abend zuvor bei einem Spaziergang dorthin schon gecheckt, und so sind wir darauf eingestellt die Räder und das Gepäck jeweils separat einmal die Treppen runter und wieder hoch zu tragen, um auf das entsprechende Gleis zu gelangen.

Warten auf den Zug von Cervignano bis Venedig

Als unser Zug um 9:50 einfährt wird es doch noch etwas stressig. Es gibt keinen Wagenstandsanzeiger, somit wissen wir nicht, wo der Fahrradwaggon hält. Beim vorherigen Zug, der nach Udine fuhr und in den 4 Radfahrer aus Venlo einstiegen (mit denen wir uns zuvor nett unterhalten hatten), war der Fahrradstellplatz ganz vorne gewesen. Und so positionieren wir uns im Glauben, das wäre bei unserem Zug auch so, am Anfang des Zuges.

Als der Zug einfährt gestikulierte uns der Lokführer noch bevor er anhielt mit geöffnetem Fenster und dem Zuruf “Cola”, dass wir ganz nach hinten müssten. Nicht nur, dass wir nun einen Sprint auf dem Bahngleis mit den Rädern einlegen mussten zwischen den ein- und aussteigenden Fahrgästen. Als wir ans Ende des Zuges ankommen, hatte der Waggon drei hohe Stufen. Alle 8 Taschen mussten erstmal ab, damit die Räder überhaupt hoch kamen. Zum Glück half uns der sehr nette Schaffner dabei, alles in das entsprechende Abteil zu hieven das, mit unseren Rädern und dem Gepäck, nun voll war. Ein Foto von dieser Bahnsteig-Situation gibt es nicht. Zumindest nicht ein von uns gemachtes 😉 Von aussen sah unser Rad-Slalom-Lauf bestimmt sehr erheiternd aus!

Die Zugfahrt bis Venedig dauert etwas mehr als eine Stunde. Also hatten wir genügend Zeit zum Verschnaufen von diesem ersten Teil der Zugfahrt. Beim Aussteigen haben sich dann alle Radfahrer, mit uns waren es insgesamt 9, gegenseitig mit den Rädern und dem Gepäck geholfen. Alle waren wir ja in der gleichen Lage, den Höhenunterschied auch runter zu meistern. Jeder hat ein Rad oder eine Tasche entgegen genommen oder aus dem Wagen auf den Bahnsteig gegeben, egal ob es seines war oder nicht. Danach haben sich alle bei allen bedankt, und jeder radelte seines Weges.

In Venedig haben wir erst einmal 3 h Aufenthalt bis der nächste Zug Richtung München abfährt. Wir nutzen die Zeit, um gegenüber vom Bahnhof unseren letzten Capuchino auf italienischem Boden zu geniessen.

Die Aufzüge im Bahnhof Venedig-Mestre funktionierten, und so kommen wir entspannt auf das Gleis, um weiter nach München zu fahren. Doch auch in Venedig gibt es keine Wagenstandsanzeiger. Das war letztes Jahr, als wir mit den Rädern bis Venedig fuhren und mit dem Zug zurück, auch schon so. Aber es hätte sich ja innerhalb eines Jahres etwas geändert haben können. Tja, zu viele Konjunktive… denn auch diesmal konnte man uns am Bahnhofsschalter den Standort des Fahrradwaggons nicht mitteilen, wir sollen uns einfach in die Mitte des Bahnsteigs stellen, dann hätten wir nach vorne und nach hinten den gleichen Weg zurück zu legen Hahaha…. lachte der kleine Italiener hinter seinem Schalter noch über seinen Witz und hatte damit seinen Dienst getan.

Auf dem Bahnsteig treffen wir noch 4 gleichgesinnte Münchener, zu sechst und alle im gleichen Boot, bzw Bahnhof, fühlt man sich doch wohler. Und siehe da, der Wagen mit dem begehrten Fahrradzeichen bleibt genau vor uns stehen. Na was für ein Glück! Der Österreichische Zugbegleiter nimmt zwar die Räder entgegen, dafür müssen wir auch hier vorab das Gepäck entfernen, aber diesmal auch mitnehmen. Wir dürfen es nicht, wie bei dem netten italienischen Kollegen zuvor, am Rad oder daneben abstellen, geschweige denn den Waggon mit den Rädern betreten! So stehen wir, jeder von uns mit 4 Radtaschen und einer Lenkertasche, auf dem Bahnseig, und sortieren uns gerade um in den Zug einzusteigen, als der Schaffner am Ende des Zuges dem Lokführer den Pfiff zum Türen schliessen und Abfahren gibt. Wir lassen einen Schrei los, gestikulieren mit den Armen, soweit es die Taschen an den Händen und Schultern erlauben, rennen vollbepackt zu noch einer offenen Waggontür und schaffen es gerade noch in den Zug. Auch hierüber gibt es verständlicherweise keine Bilder.

Erneut haben wir im Zug Zeit durchzuatmen, diesmal 6 h lang, so lange dauert die Fahrt bis München. Da dort die Zugfahrt endet, können wir ohne jeglichen Stress, entspannt und gut sortiert um 20:50 Uhr wieder aussteigen. Die Bahnsteige und Bahnhofshalle erreicht man ohne Aufzüge, auch das sehr entspannt. In München übernachten wir in einem Hotel, bevor es am Samstag um 9:30 Uhr mit dem ICE nach Köln geht.

Am nächsten Morgen, auf dem Weg zum Bahnhof kommen wir an der wichtigsten Münchener Sehenswürdigkeit vorbei 😉

Der Einstieg in den ICE mit Rädern und Gepäck ist aufgrund der Enge im Zug zwar etwas mühselig, aber alle Radfahrer, mit uns sind wir zu sechst, helfen sich gegenseitig, dann passt auch alles. Ohne eine vorherige Reservierung ist eine Radmitnahme im ICE ja nicht möglich, von daher sind uns eigene Plätze sicher.

So wie es aussieht werden wir pünktlich um 14 Uhr am Kölner HBF bei schönstem Sommerwetter ankommen. Wenn dann noch der entsprechende Aufzug am Kölner HBF funktioniert 😉 steht einer entspannten Ankunft nichts mehr im Wege. Insgesamt sind wir mit Start und Ankunft ab und bis zu unserer Haustür 1.510 km geradelt.

Wir werden die letzten Kilometer unserer Tour durch Köln bis nach Hause geniessen, mit einem lachenden Auge, weil es so schön war, mit einem weinenden, weil die Reise nun vorbei ist.

Aber die nächste Radtour ist schon in Planung 😉

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