Mataró

Kaum jemand kennt diese Küstenstadt, 30 Kilometer nordöstlich von Barcelona gelegen. Mit 124.000 Einwohnern hat Mataró nur ein Bruchteil der Größe Barcelonas. Für mich wirkt dieses Städtchen wie eine Miniaturausgabe der großen Schwester. Denn wie Barcelona auch blickt Mataró auf eine 2000 Jahre alte Stadtgeschichte zurück, die mit den Römern begann und durch entsprechende archäologische Funde und Ausgrabungen belegt ist.

Die lange Stadtgeschichte spiegelt sich auch hier in den engen Gassen wieder, in denen sich heute kleine Boutiquen, Bars und Restaurants befinden. Ein Kino mit 12 Leinwänden, ein Theater, das Stadtmuseum, der Jachthafen und ein schätzungsweise ein km langer Sandstrand bieten die Kultur-, Sport- und Freizeitangebote. Außerdem sind vier Hotels, ein Campingplatz und ein Hostel als Übernachtungsmöglichkeit aufgelistet. Alles sehr übersichtlich und fußläufig erreichbar.

Diese Kleinstadt führt ein Dornröschenschlaf. Das bunte Tourismustreiben findet hier nicht statt, sondern in Barcelona und an den bekannten Nachbarorten Calella, Lloret und Tossa de Mar.

Meine ersten fünf Lebensjahre habe ich in Mataró verbracht, bei denen ich mich an viel Sonne, Strand und Meer erinnern kann. Von der Dachterrasse unserer kleinen Mietwohnung in der Calle San Bruno 11 konnte ich das Glitzern des Mittelmeers sehen.

Am Strand von Mataró standen schon während meiner Kindheit Duschen, was für die 1960er Jahre sehr fortschrittlich mutet. Allerdings hatte dies hygienische Gründe und erklärt auch, warum dieser Ort in der betonfreudigen Bauphase der 1960er und 70er von Hotelburgen und Apartmentanlagen verschont geblieben ist.

Mataró war ein Industriestandort vor den Toren Barcelonas, wo sich vor allem die Textilverarbeitung niedergelassen hatte. Und die leitete ihr Abwasser großzügig und ungeklärt ins Meer. Es gab Tage, an denen das Meer rot schimmerte, oder auch mal gelb oder giftgrün, je nachdem welcher Färbungstag gerade gewesen war. Die Duschen am Strand dienten dazu, sich nach einem Bad im Meer abduschen zu können, um mögliche Hautreizungen und Ausschläge zu vermeiden.

Diese Zeiten ohne jegliches Umweltbewusstsein gehören auch in Spanien der Vergangenheit an, und Mataró wartet darauf, touristisch entdeckt zu werden. Wer sich hier hin begibt, wird weder Hotelanlagen vorfinden noch Pauschalreisende antreffen. Mein Besuch im Tourismusmusbüro von Mataró war ernüchternd. Deutsche Touristen haben den Weg bis hierhin noch nicht gefunden, sodass es keine Broschüren auf Deutsch gibt, wohl aber in mehreren anderen Sprachen wie Französisch und Italienisch. ”Wir setzen uns bewusst ab von dem Pauschaltourismus der Nachbarorte. Einmal, weil wir das Angebot nicht haben, aber auch weil wir bewusst auf einen nachhaltigen Tourismus bauen” so die Dame im Büro.

Klingt doch gut oder? Also, auf nach Mataró! Eine direkte Zugverbindung führt von Barcelona an der Küste entlang bis bis in den Ort. Dieser Abschnitt war die erste Eisenbahnstrecke Spaniens, die im Jahr 1848 ihren Betrieb aufnahm. Mittlerweile erstreckt sie sich auf eine Länge von 73 Kilometern und verbindet Barcelona mit den weiteren Küstenorten entlang der Costa Brava. Bisher bilden die Schienen ein trennendes Hindernis, um an den Strand zu gelangen, sodass man Fußgängerunterführungen nutzen muss, um an das Meer zu gelangen.

Aber es gibt auch schon Planungen diese Eisenbahnstrecke an den Küstenorten in den Untergrund zu verlegen. Dann hätte Mataró einen weiteren Pluspunkt als attraktive Küstenstadt! Weitere Infos zur Stadt gibt es unter diesem Link: Mataró. Und wo genau dieses Städtchen liegt, ist hier zu sehen

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